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Programm gegen die Visionslosigkeit: Kreis-SPD läutet Generationenwechsel ein und präsentiert Zukunftskurs

Aktualisiert: vor 1 Stunde

„Kein Plan für die Zukunft!“ – Die Kreis-Genossen attestieren dem neuen Kreistagsbündnis chronische Visionslosigkeit . Gegen den drohenden Stillstand setzt die SPD auf den Mut und die Energie einer neuen Generation und präsentiert ein radikales Gegenmodell für Umwelt, Wirtschaft und Mobilität. Während Markus Käser als Vorsitzender bestätigt wird, rückt die 19-jährige Anna-Sophia Mayer als Stellvertreterin neben Christan Keck auf.

Christian Keck und Markus Käser stehen auch bis 2028 an der Spitze der SPD im Landkreis
Christian Keck und Markus Käser stehen auch bis 2028 an der Spitze der SPD im Landkreis

Baar-Ebenhausen. Das Flotzinger in Baar-Ebenhausen ist eigentlich ein Ort für behagliche Runden, ein Traditionsgasthaus, in dem man die bayerische Gemütlichkeit und einen Sonntags-Frühschoppen pflegt. Doch für die SPD im Landkreis Pfaffenhofen ging es an diesem Sonntagvormiitag um die Einordnung einer harten politischen Realität. Es ist ein krasser Rollenwechsel, den die Sozialdemokraten derzeit verarbeiten müssen: Statt einer Fortsetzung der bisherigen bunten Mehrheit regiert im Kreistag künftig ein Bündnis, das die Genossen unumwunden als „erzkonservativ“ einstufen.


Käser: "Neue Koalition hat keinen Plan für die Zukunft der Region"

Die politische Antwort der SPD auf diesen Machtwechsel ist jedoch kein Rückzug, sondern eine Kampfansage im Namen des Fortschritts. Bei der Kreisversammlung sparte SPD-Kreischef Markus Käser nicht mit scharfer Kritik an der neuen Machtkonstellation aus CSU, Freien Wählern und der Bürgerliste. Wesentliche gesellschaftliche Strömungen, so Käsers Bilanz, seien in diesem Gefüge schlicht nicht mehr abgebildet. Den inhaltlichen Offenbarungseid des neuen Bündnisses machte der Kreischef an einem konkreten Vergleich fest: „Während wir noch ein 100-Punkte-Zukunftsprogramm erarbeitet hatten, schaffte es die neue Konstellation nicht, einen einzigen überprüfbaren Satz auf Papier zu bringen. Verkürzt muss man feststellen, die Koalotion hat keinen Plan im Umgang mit dem technologischen und sozialen Wandel in dem wir uns befinden!" Dass die drei Partner diese Visionslosigkeit in einem Zeitungsinterview jüngst auch noch als „Pragmatismus“ deklarierten, quittierte Käser mit purem Unverständnis.


Besonders im Fokus der sozialdemokratischen Analyse stehen die Freien Wähler. Während im alten, bunten Bündnis stets auf Augenhöhe agiert worden sei, blicke man nun auf völlig veränderte Machtverhältnisse: „Landrat Gürtner ist nur noch der Juniorpartner der CSU“, kritisierte Käser. Damit habe die Führung der Freien Wähler dafür gesorgt, dass progressive Politik im Landkreis vorerst nur noch auf der Oppositionsbank stattfindet. Die neue Mehrheit müsse sich nun daran messen lassen, ob sie die Vielfalt des Landkreises zusammenhalte oder Zukunftsthemen eher ausgrenze.

Das Gegenmodell: Ein Kompass und Motor für die regionale Transformation

Wo die neue Mehrheit im Ungefähren verbleibt, fordert die SPD daher eine fundamentale politische Standortbestimmung des Landkreises. Nach Ansicht der Genossen stehe die Region mitten in der größten Transformation seit der Industrialisierung. Die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen müssten jetzt krisenfest für die kommenden Jahrzehnte gestaltet werden – ansonsten verspiele man die Zukunft. Das Programm der Sozialdemokraten versteht sich hierbei als konkreter Gegenentwurf zum peinlichen „Pragmatismus für die Menschen“ der konservativen Allianz. 


Käsers Wahlkampfmotto adressierte die "Neuen Zeiten"
Käsers Wahlkampfmotto adressierte die "Neuen Zeiten"

Die Genossen skizzierten dabei ein Fünf-Säulen-Modell für einen resilienten und zukunftsfähigen Landkreis:

  • Fossilfreiheit durch unabhängige Energie & Resilienz: 

    Der Landkreis muss Schritt für Schritt die vollständige, dezentrale Energieunabhängigkeit durch erneuerbare Quellen anstreben. Gepaart mit krisenfesten, regionalen Ernährungsnetzwerken soll so die Grundversorgung der Bürger unabhängig von globalen Verwerfungen gesichert werden.

  • Datensouveränität durch zukunftsorientierte Wirtschaftsstrukturen & KI-Netzwerke: 

    Um den Wohlstand langfristig zu sichern, fordert die SPD eine gezielte Diversifizierung der heimischen Wirtschaft. Dazu gehört der Aufbau moderner, regionaler KI-Netzwerke – wie dem Konzept regionaler KI-Kraftwerke –, um lokale Unternehmen und die Verwaltung fit für das digitale Zeitalter zu machen.

  • Mobilitätsgarantie für den ländlichen Raum: 

    Fortschritt darf keine Frage des Wohnorts sein. Die SPD fordert eine echte Mobilitätsgarantie, die den ländlichen Raum verlässlich anbindet und die Abhängigkeit vom eigenen Pkw spürbar verringert.

  • Gesunder Lebensraum & Umweltschutz: 

    Ein vorsorgender Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, der Erhalt einer intakten Umwelt und die Anpassung an den Klimawandel sind für die SPD die Basis für gesunde, lebenswerte Bedingungen im gesamten Landkreis.

  • Gemeinwohlorientiertes & bezahlbares Wohnen: 

    Wohnen ist ein Grundrecht. Die Sozialdemokraten setzen sich konsequent für den Ausbau und die Förderung von bezahlbarem, gemeinnützigem Wohnraum ein, um der Immobilienspekulation in der Region die Stirn zu bieten.

Zugewinne in einem zersplitterten Umfeld

Dass die SPD überhaupt den Gang in die Opposition antreten muss, schmerzt die Genossen umso mehr, da das eigene, starke Wahlergebnis in einem denkbar schwierigen Umfeld erzielt wurde. Das politische Spektrum im Landkreis hat sich spürbar zersplittert: Mit der Linken und der Jungen Union drängten zwei neue Listen in den Wettbewerb, während die AfD auf einer anhaltenden Erfolgswelle reitet und ihre Mandate wunschgemäß verdoppeln konnte. Diese Zersplitterung ließ den sprichwörtlichen „Kreistagskuchen“ merklich schrumpfen – mit der Konsequenz, dass fast alle etablierten Kräfte Federn lassen mussten: Sowohl FW, ÖDP und Grüne als auch SPD und CSU mussten jeweils ein Mandat abgeben.

Käser und sein Stellvertreter Christian Keck zeigten sich mit dem SPD-Wahlergebnis zufrieden. Die Partei konnte im Landkreis rund 17.000 Stimmen mehr erzielen als bei der Wahl 2020. Obwohl eine knappe Mehrheit von einer Stimme für das bunte Bündnis rechnerisch möglich gewesen wäre, kam diese nicht zustande, da sich einzelne Kreisräte der Freien Wähler für eine andere politische Ausrichtung im Kreistag entschieden.

Kontinuität und neuer Schwung an der Spitze

Um diese inhaltliche Agenda mit Leben zu füllen, setzt die Kreis-SPD auf eine bewusste Balance zwischen langjähriger Erfahrung und einem spürbaren Generationenwechsel. Markus Käser wurde von den Delegierten einstimmig als Kreisvorsitzender bestätigt und bleibt damit der strategische Anker der Partei. Ihm zur Seite steht künftig eine neu formierte Doppelspitze: Neben dem erfahrenen Christian Keck wurde mit der 19-jährigen Anna-Sophia Mayer eine neue, junge Perspektive in das Führungsteam berufen.


Die Wahl Mayers wurde in der Versammlung als ein bewusstes Aufbruchssignal gewertet: Die Partei setzt auf eine strategische Neuaufstellung, bei der bewährte Kompetenz und frische Impulse künftig Hand in Hand gehen sollen. Mit dieser personellen Weichenstellung signalisiert die Kreis-SPD, dass sie sich für die kommenden Jahre nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell für die nächste politische Generation öffnet.


Anna-Sophia Mayer - neue Stellvertretende Vorsitzende der Kreis-SPD
Anna-Sophia Mayer - neue Stellvertretende Vorsitzende der Kreis-SPD

Der neu gewählte Vorstand im Überblick:

  • Vorsitzender: Markus Käser

  • Stellvertreter: Christian Keck, Anna-Sophia Mayer

  • Kassierer: Adolf Lohwasser

  • Schriftführerin: Magdalena Stemmer

  • Erweiterter Vorstand / BeisitzerInnen: Waltraud Schembera, Tanja Maier, Phillip Fortuné, Robert Lang, Hakan Özdemir sowie Jan Wiegand für die Jusos, Thorsten Krauß und Janette Weber. Als Revisoren fungieren Stefan Aigner und Willi Strobl.

Abschied und Dank für Elke Drack

Ein emotionaler Moment markierte das Ende einer Ära: Die Kreisversammlung dankte Elke Drack für ihre sechsjährige Arbeit als stellvertretende Landrätin und als prägendes Gesicht der regionalen Sozialdemokratie. „Elke, du warst das Gesicht der Sozialdemokratie im Landkreis. Danke dafür“, würdigte Käser die sichtlich bewegte Politikerin aus Manching unter großem Applaus.


Kassier Adolf Lohwasser, SPD-Chef Markus Käser, Elke Drack und Stv. Kreis-Chef Christain Keck bedankten sich bei Elke Drack für Ihre Dienste als stv. Landrätin
Kassier Adolf Lohwasser, SPD-Chef Markus Käser, Elke Drack und Stv. Kreis-Chef Christain Keck bedankten sich bei Elke Drack für Ihre Dienste als stv. Landrätin

Für die anstehendenden Versammlungen auf Landes- und Bezirksebene wurden zudem die Weichen gestellt: Marianne Strobl, Marianne Kummerer-Beck, Markus Käser und Willi Strobl reisen als Delegierte zum Bezirksparteitag. Den Landesparteitag werden Christian Keck, Anna-Sophia Mayer und Markus Käser bestreiten. Die SPD verlässt das Traditionscafé an diesem Abend zwar als Opposition im Kreistag, aber mit dem festen Vorsatz, bei Themen wie bezahlbarem Wohnen, der Energiewende und sozialer Gerechtigkeit künftig den Finger in die Wunde zu legen und aktiv eigene Vorschläge zu unterbreiten. “Wer sich soziale und ökologische Zukunftsthemen im Kreistag wünscht, wird mit uns eine aktive Vertretung im Kreistag haben!”


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