Einer mit Ecken, Kanten und großen Verdiensten
- WebSozi
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Martin Schmid erhält die Willy-Brandt-Medaille für sein politisches Lebenswerk
SPD-Ortsverein Vohburg und SPD-Kreisverband Pfaffenhofen ehren den Altbürgermeister für seinen jahrzehntelangen Einsatz für Demokratie, Sozialdemokratie und seine Heimatstadt.

Vohburg. Sie wird nicht für ein einzelnes Wahlergebnis verliehen, nicht für ein gelungenes politisches Manöver und auch nicht allein für die Zahl der Jahre, die jemand einer Partei angehört. Die Willy-Brandt-Medaille ist die höchste Auszeichnung der deutschen Sozialdemokratie. Sie würdigt Menschen, die sich in außergewöhnlicher Weise um die SPD und ihre Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität verdient gemacht haben.
Nun trägt auch Martin Schmid diese Auszeichnung. Der SPD-Ortsverein Vohburg und der SPD-Kreisverband Pfaffenhofen zeichneten den langjährigen Vohburger Bürgermeister für sein politisches Lebenswerk aus. Schmid gehört damit im Landkreis zu einem sehr kleinen Kreis: Nach Anton Dost, Fred Vogger, Ludwig Friedl, Helmuth Roth und Willihard Kolbinger ist er erst der sechste Träger der Medaille im SPD-Kreisverband Pfaffenhofen.
„Mehr Demokratie wagen“
Markus Käser, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Pfaffenhofen, würdigte Schmid als einen Kommunalpolitiker, dessen Arbeit über Jahrzehnte hinweg von sozialdemokratischen Grundwerten getragen gewesen sei. Er erinnerte an Willy Brandts berühmten Satz aus dessen erster Regierungserklärung von 1969: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“
Diese Aufforderung richte sich an Bürgerinnen und Bürger, die kritisch mitdenken und Verantwortung übernehmen. Martin Schmid habe diesen Gedanken auf kommunaler Ebene mit Leben gefüllt, sagte Käser. „Für ihn war eine handlungsfähige Stadt die Voraussetzung dafür, dass Politik konkret helfen kann – unabhängig davon, woher jemand kommt, wen jemand wählt oder welchen gesellschaftlichen Status jemand besitzt.“
Das Rathaus sei für ihn kein abgeschlossener Verwaltungsapparat gewesen, sondern ein Ort der Ansprechbarkeit – unabhängig von Partei, Problem oder Tageszeit.
Käser gratulierte mit den Schlussworten: “Martin, du hast dich in besonderee Weise um die Werte und den Ruf der Sozialdemokratie verdient gemacht! Danke für alles im Namen der gesamten SPD im Landkreis Pfaffenhofen”

Verantwortung über Vohburg hinaus
Schmids Wirken blieb jedoch nie auf seine Heimatstadt beschränkt. Über viele Jahre prägte er die Arbeit auf Landkreisebene: Im Kreistag führte er lange Zeit die SPD-Fraktion und vertrat zuletzt als Sprecher der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister die kommunalen Interessen.
Besonders am Herzen lag ihm der nördliche Landkreis. Schmid setzte sich beharrlich dafür ein, dass dieser Teil bei Infrastruktur und öffentlichen Einrichtungen angemessen berücksichtigt wurde – etwa durch die Sicherung der Außenstelle des Landratsamtes in Vohburg oder einen nachhaltigen Hochwasserschutz.
Gerade beim Hochwasserschutz bewies er große Ausdauer und Weitsicht. Die Sanierung des Ilm-Deiches, die Arbeiten am Paar-Deich und die Planungen zum Schutz des Gewerbegebiets Rockolding stehen beispielhaft dafür, wie konsequent er die Sicherheit der Bevölkerung in den Mittelpunkt stellte.
Vom Polizisten an die Spitze der Stadt
Schmids kommunalpolitischer Weg begann bereits 1984 im Vohburger Stadtrat. Von 1990 bis 1996 war er Dritter Bürgermeister, anschließend zwölf Jahre lang Zweiter Bürgermeister. Im Jahr 2008 wurde er schließlich zum Ersten Bürgermeister gewählt – ein Amt, das er bis April 2026 ausübte.
Damit trug Schmid insgesamt 36 Jahre lang Verantwortung in einem Bürgermeisteramt und prägte die Entwicklung Vohburgs über mehr als vier Jahrzehnte an entscheidender Stelle. Diese außergewöhnliche Dauer steht vor allem für eines: das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger – über Parteigrenzen hinweg und über mehrere politische Generationen hinweg.
Unter seiner Führung wurden unter anderem die Sanierung der historischen Innenstadt vorangebracht sowie neue Verbindungen zwischen Altstadt, Burgberg und Pflegschloss geschaffen. Auch die Einweihung des Marktstadls beim Bernbauer-Anwesen steht stellvertretend für seine Vorstellung einer lebendigen und attraktiven Stadtmitte – als Ort der Begegnung, des Handels und des Miteinanders.
Sein Weg war dabei nie der eines klassischen Berufspolitikers: Mit 17 Jahren trat Schmid in den Polizeidienst ein. Insgesamt war er 37 Jahre lang als Polizist tätig, bevor er als hauptamtlicher Bürgermeister an die Spitze der Stadtverwaltung wechselte. Diese Erfahrung prägte seinen Blick auf Verantwortung, Zusammenhalt und die Bedürfnisse der Menschen. Gerade in schwierigen Situationen zeigte er Empathie, Ruhe und menschliche Stärke.
Der SPD trat Martin Schmid bereits am 1. Oktober 1982 bei. Von Juli 2000 bis Januar 2005 führte er den SPD-Ortsverein Vohburg als Erster Vorsitzender. In dieser Zeit prägte er die politische Kultur vor Ort entscheidend mit: offen, dialogorientiert und stets mit dem Blick auf das, was die Menschen in Vohburg tatsächlich bewegte.
Auch außerhalb der Politik übernahm Schmid Verantwortung. Als Fußballtrainer zeigte er viele jener Eigenschaften, die später ebenso seine Arbeit im Rathaus bestimmten: Einsatz, Teamgeist, klare Ansagen und die Fähigkeit, Menschen zu motivieren und zusammenzuführen.
Ein Bürgermeister für die ganze Stadt
Die Laudatio für den SPD-Ortsverein hielten Hartmut Lederer, Dritter Bürgermeister der Stadt Vohburg, und der Ortsvereinsvorsitzende Oliver Rechenauer. Sie zeichneten das Bild eines Politikers, der seine Heimatstadt nicht nur verwaltet, sondern als Gemeinschaft verstanden habe.
Lederer sorgte dabei für Schmunzeln im Saal: In Form eines humorvollen A-bis-Z-Alphabets arbeitete er sich durch die wichtigsten Stationen, Eigenheiten und Anekdoten aus Schmids Amtszeit. Das Spektrum reichte von prägenden Großprojekten wie der Agnes-Bernauer-Halle, dem Burgberg und dem Hochwasserschutz über Schmids legendäre Skepsis gegenüber Kreisverkehren („lieber eine Ampel“) und sein Verhältnis zum örtlichen Pfarrer („Don Camillo und Peppone“) bis hin zu ganz persönlichen Markenzeichen “Z” wie der Entspannungszigarette auf dem Balkon.
Rechenauer und Lederer hoben hervor, dass Schmids Politik nie an Parteigrenzen haltgemacht habe. Auch in politisch schwierigen Zeiten sei er verlässlich zu seinen Überzeugungen gestanden, habe aber stets das Miteinander gesucht: Nach kontroversen Debatten sei es ihm immer darum gegangen, wieder gemeinsam Verantwortung für die Stadt zu übernehmen.Wer Martin Schmid kenne, wisse zugleich, dass er nicht nur ruhig und besonnen auftreten konnte. Wenn es nötig war, konnte er auch laut werden – nicht aus Eitelkeit oder aus Prinzip, sondern aus Überzeugung. Wenn es um die Menschen seiner Stadt ging oder etwas Wichtiges auf dem Spiel stand, zeigte er eine Entschlossenheit, die man nicht überhören konnte.
Gerade diese Mischung aus Geduld und Klarheit, aus Zuhören und Durchsetzen, machte ihn zu einem geschickten Verhandler: zu jemandem, der wusste, wann man Brücken bauen musste – und wann es galt, standhaft zu bleiben.

Raue Schale, weiches Herz
Martin Schmid war nie ein Politiker der leisen Andeutungen. Er konnte direkt sein, Ecken zeigen und nach außen durchaus rau auftreten. Wer mit ihm zu tun hatte, wusste immer schnell, woran er war. Bei der Übergabe der Willy-Brandt-Medaille zeigte sich jedoch auch seine andere Seite: Der erfahrene Kommunalpolitiker ließ sich die Rührung über die Auszeichnung und die Anerkennung seiner Weggefährten anmerken – ganz nach dem Motto: raue Schale, weiches Herz.




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